Schreiben ist eine Kunst … und es liegt, wie bei jeder Kunst, im Auge des Betrachters, ob es sich überhaupt um Kunst handelt. Lesenwerte Kunst. Wie alles im Leben gehört ebenso Glück dazu, damit Geschriebenes überhaupt zur rechten Zeit am rechten Ort gelesen wird. Und (Frei-)Zeit. So ehrlich muss man sein. Wenn man nicht genügend Freizeit hat, um sich auf Preise zu bewerben, bekommt man am Ende auch nur selten einen. Im Umkehrschluss bedeutete das ironischer Weise auch, dass literarisch nicht ganz so brilliante Texte Preise gewinnen, weil ihr Urheber genug Zeit hatte, sich auf sie zu bewerben.

Auszeichnungen …sind daher nicht unbedingt immer Ausdruck von Können. Dankbarer Weise darf ich trotzdem mehrere Literaturpreise mein eigen nennen. Preise zu gewinnen macht Freude. Trotzdem gibt es Texte, die nie gewinnen werden und trotzdem phänomenal sind. Ich bilde mir auf meine Preise daher nicht viel ein. Zwei möchte ich dennoch nennen, weil sie nicht mein Schaffen honourierten, sondern das, was ich mit dem Schreiben zum Ausdruck bringen möchte:

(1.) Der Hauptpreis der Manuskriptförderung des Literaturwerks Rheinland-Pfalz-Saar und des Verbandes Deutscher Schriftsteller sowie

(2.) der ERGOMAS Book Award.

Ersteren erhielt ich für meinen zweiten Geschichtsband, dessen Texte heute zum größten Teil in EPIC. Von Gesellschaft, Frieden und Hoffnung wieder zu finden sind. Ich war 26 Jahre alt, lebte in London, promovierte und gab nebenbei das Literaturmagazin The Transnational heraus. Die Texte waren provokant, handelten von Krieg, Politik, Isolation, gesellschaftlicher Verrohung und waren alles in allem nicht massentauglich. Anders als in Österreich, konnte man im Land der schönen Posie mit diesen anklagenden, ernsten, intellektuell völlig überladenen Texten nichts anfangen. Auf einmal gab es ein Publikum.

Der ERGOMAS Award ist ein internationaler Buchpreis, der das aus meiner Promotionsschrift entstandene Buch auszeichnete. Ich war die erste deutsche Gewinnerin, hatte aber nach Studienabschluss nicht genug Geld, um bei der Preisübergabe vor Ort dabei sein zu können. Dennoch erfüllte es mich mit Stolz, dass eine militärsoziologische Arbeit über deutsche und britische Offizieranwärter so viel Aufmerksamkeit erhalten konnte.