ISIS platt machen

ISIS platt machen

10 Sekunden-Gedanken No. 10

Mit Glaubenskämpfern ist kein Friede zu schließen hat Max Weber, der Visionär und Vorzeigedenker der Deutschen, einmal gesagt. Dieser Satz geht weiter mit: man kann sie nur unschädlich machen. Nun erkannte Dirk Kaesler, der sich jahrelang mit Webers Schriften auseinandergesetzt hat, zurecht, dass Weber nicht als Interpret unserer Gegenwart in Anspruch genommen werden kann (oder sollte) – aber ähnlich wie dem Papst in den Mund gelegt werden kann, dass Kinder ruhig verdroschen werden dürfen, (solange dies nichts mit Erniedrigung zu tun hat,) - genauso können wir den notorisch übergewichtigen Weber, der exzessiv trank, drogensüchtig war und aus einem Umfeld kam in dem alle an mindestens einer psychischen Störung litten, als unseren Vorbeter in Sachen ISIS-Umgang heranziehen. Weber, der Kulturmensch schlechthin, sagt, dass ISIS unschädlich gemacht werden muss. Bei ihm ging es zwar eigentlich um den Friedensvertrag von Brest-Litowsk im Jahre 1918, aber der gekonnte Journalist weiß, wo man ein Zitat am besten beginnt und wo man es beendet. Hier nutzen wir die selben Regeln wie die Muslime, die den Koran als Regularium zur Gewaltanwendung nutzen. Zurück zum Anfangspunkt: mit ISIS ist nicht zu spaßen, nicht zu verhandeln, das Wort Diplomatie kennen die gar nicht, die müssen weg. Wir wollen keine Welt mit ISIS. Weber sprach ja von der Entzauberung der Welt. Es macht also gar keinen Sinn, wenn sich noch mehr Akademiker über ISIS und die Folgen dieser (durchaus nicht neuartigen) Form des Terrorismus den Kopf zerbrechen, denn auch hier hat uns Weber bereits zu verstehen gegeben, wie das ausgehen wird: Die zunehmende Intellektualisierung und Rationalisierung der Thematik bedeutet nämlich nicht eine zunehmende allgemeine Kenntnis über die vorliegenden Zustände, und Lösungen für die Bekämpfung dieser, sondern nur, dass es eigentlich keine geheimnisvollen unberechenbaren Mächte gibt, sondern alles berechenbar ist. Und so ist das auch mit ISIS. Das wiederum, und das ist der zentrale Punkt heute, ebenso wie vor hundert Jahren bei Weber: ist nur Auslegung und Interpretation.