Griechenland droht Europa mit Flüchtlingen

Griechenland droht Europa mit Flüchtlingen

Es gibt doch diese Bildchen, wo dann die Aufgabe ist, den Fehler im Bild zu finden. So: ah hier, der Fehler, die Sonne ist am Himmel, obwohl es auf der Uhr schon spät abends ist. Das selbe geht auch mit Sätzen: Griechenland droht Europa mit Flüchtlingen. Wo ist der Fehler in diesem Satz? Richtig, es gibt keinen. Trotzdem hört er sich von vorn bis hinten falsch an. Willkommen im Jahr 2015. Man droht anderen Ländern nun nicht mehr mit Waffengewalt oder wirtschaftliche Erpressung. Nein. Man droht mit Flüchtlingen. In manchen Kreisen scheint das wesentlich furchterregender zu sein, als die althergebrachten Kriegsmittel. Der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos droht Europa also, dass die griechischen Migranten Reisepapiere bekommen werden und dann alle nach Europa einmarschieren. Jetzt könnte man hingehen und sagen: die Rechten und die Linken zusammen in einer Regierung, was erwartet ihr denn noch von Griechenland? Genau genommen, ist dieser lächerliche Satz aber gar nicht so hirnrissig, wie er zunächst klingt. Denn im Pegida-Deutschland könnte das durchaus eine unterschwellige Panik hervorrufen. Man denkt hierzulande schon, dass Zinssätze flach gehalten werden, damit das deutsche Volk tapfer dem griechischen Staat aus der Patsche helfen kann - so sehen das nämlich die Sparkassenangestellten im Landesinneren, die an der Supermarktkasse mit den Dorfbewohnern munkeln, dass Griechenland endlich aufgeben soll. Stehts nach dem Motto Survival of the Fittest. Was den deutschen Bundesbürger aber noch viel wütender macht, ist, dass die unverschämten Griechen dann auch noch frech werden und gegen Deutschland wettern oder mal wieder mit der Moralklatsche in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg ankommen. Das hat man hierzulande nicht so gerne. Wie bei Menschärgerdichnicht haben wir nämlich schon fast alle unsere Männchen im Stall und spielen mit den Griechen eigentlich nur noch, weil es uns leidtut, dass die einfach keine Sechsen würfeln können. Diese Arroganz lassen wir uns auch nicht nehmen, schließlich wurde genug Geld rausgepulvert. Dass die shares von Länder wie Italien und Spanien nur unwesentlich geringer sind als die Deutschlands, kann man schon mal ganz schnell vergessen – obwohl die sich bei den Tagesthemen immer so viel Mühe geben, das in bunten Grafiken so darzustellen, dass das jeder verstehen könnte. Egal. Griechenland hat ja nun insgesamt nicht mehr viel. Und wenn man nicht mehr viel hat, dann guckt man eben, was man noch so hat, um damit über die Runden kommen zu können. Das Ergebnis: Kammenos ist eingefallen, dass Griechenland ja noch zu Europa gehört. Und dann – na klar, wir können europäische Pässe ausstellen. BAM. Und weniger Menschen in Griechenland, Ausländer eingeschlossen, heißt natürlich auch: weniger Leute, die versorgt werden müssen. Den Europäern mit den Migranten zu drohen funktioniert demnach in doppelter Hinsicht. Und wenn das auch nicht klappt, setzt man einfach noch einen drauf, denn sollte das Land wirtschaftlich zusammenbrechen, könnte es obendrein Einfallstor für Tausende Dschihadisten werden. Auch so eine Idee des griechischen Rechtspopulisten, den man zum Verteidigungsminister gemacht hat. Die Dschihadisten kommen dann alle von Syrien durch die Türkei nach Griechenland, wo sie dann mit europäischen Pässen eingedeckt werden. Ich habe da ja eine ganz neue Idee für den Herrn Kammenos: Wo wir schon am Kalkulieren sind, was sich noch so an den Mann bringen lassen können (außer griechische Migranten): Wie wäre es denn damit, die EU-Mitgliedschaft an die Türkei zu verkaufen? Die wären sicher interessiert. Obwohl, mit Recep Tayyip Erdoğan Geschäfte machen… seit der Kairoer Erklärung vielleicht auch nicht mehr so einfach.