Verstehensmonopole

Verstehensmonopole

Jemand hat gefragt, was Verstehensmonopole sind. Also: wer versteht alles. Als Einziger. Dann kann es eigentlich doch nicht Plural sein. Funktioniert aber. Je nach Blickwinkel. Hier habe ich ein Monopol. Dort hast du es. Aber wo liegen die Grenzen? Vielleicht verstehen die Erforscher der Natur der Wirklichkeit alles. Aber auch die sind Menschen. Und kein einziger Mensch versteht die Welt so, wie sie ein anderer versteht. Vielleicht gibt es Parallelen, aber keine Übereinstimmung. Nicht einmal in der Mathematik. Die Formel ist die selbe, aber die Herleitung dieser erfolgt auf verschiedenen Wegen. Menschen, die sagen: 2 + 2 ergibt auf der ganzen Welt 4, vergessen die Relation zwischen Begrifflichkeiten. Auch hier gibt es schon vier Arten von Paralleluniversen. Deswegen definieren wir auch alle ein happy end anders. Positives wie Negatives. Auslegungen und Interpretationen. Im Englischen heißt es so schön: in perspective. Das meiste lässt sich relativieren. Manchmal einigen wir uns. So wie: ja, es ist ein Krieg. Aber was ist eigentlich Krieg? Das sehen schon wieder alle anders. Genauso, wie Gewalt. Erst, wenn wir den Schritt wagen, uns aus unserer eigenen Vorstellung zu entkuppeln (was schon einmal nicht gänzlich gelingen kann), können wir andere Vorstellungen versuchen zu verstehen, was im Umkehrschluss jedoch nicht heißt, dass wir sie auch nachvollziehen können. Wenn wir das Denken des Gegenüber verstehen, können wir versuchen auf einer Parallellinie zu argumentieren. Allerdings setzt dies voraus, dass unser Gegenüber die selbe Intension hat. Denkt er jedoch, er habe ein Verstehensmonopol an der Hand, wird er die Diskussion aus dieser Perspektive beginnen und es ist irrelevant wie sehr wir uns bemühen einen gemeinsamen Nenner zu finden – Paralleluniversen finden auch so nicht zueinander. Diplomatie erkläre ich dann morgen. Wenn ich es verstehe.