Mangel kosmopolitischer Substanz

Überlegungen zu Volksentscheiden in der Schweiz

 

haben wir auch: wir verstecken das nur besser (wegen der Vergangenheit)
außerdem sind wir ja jetzt alle Europäer (das verstehen sogar die Kinder)
weil Deutsch sein kommt mit GANZ vielen Regeln, anders als Schweizer sein
die sagen: ein echter Schweizer ist ein stolzer Schweizer
wir sagen: ein echter Deutscher, ist jemand der weiß, was er sagen darf und was nicht
mit Stolz hat das nur selten was zu tun, das kann schnell an den Galgen führen
(auch das wegen der Vergangenheit und auch das verstehen sogar die Kinder)

sogar die Österreicher wollen Schweizer sein (zumindest der Großteil der Voralberger)
na klar. und warum? weil die Schweizer sich politisch unkorrekt äußern dürfen -
(ohne, dass da einer mit der Vergangenheit angelaufen kommt)?? … NEIN. weil:
die Schweiz ist so wie ein Schiri: man denkt sie sei neutral, aber Neutralität gibt’s gar nicht
so wie: wir machen nicht mit im Irak, wir spenden nur Geld. aha. desert storm.
lasst uns mal das Wort „Teilnahme“ definieren:

die Amis ballern das Feld frei
die Briten machen, was die Amis ihnen sagen
Kuwait und Saudi-Arabien sind auch da, irgendwie
die Deutschen finanzieren das Ganze (u.a.)
und die Schweizer. Was machen die Schweizer?

[vielleicht beobachten? auskundschaften? zusehen? spionieren?] NEIN. sie kiebitzen.
und schmeißen dann alle Ausländer raus. alle, die nicht arisch-schweizerischen-Blutes sind (vllt.)
die Eidgenossenschaft lässt sich das nicht gefallen.

jemand sagt: das ist der französische Anteil der Schweizer: Die Franzosen sind alle Nationalisten…
jemand sagt: das sind die ganzen Intellektuellen in der Schweiz, der Rest geht ja eh nicht wählen…
jemand sagt: die wollten ja noch nie was mit den anderen zu tun haben, mich wunderts nicht…   
jemand sagt: Europa, die ganze Idee ist peinlich, die haben wenigstens noch ihre Franken…
jemand sagt: Schweiz und Österreich als 17tes und 18tes Bundesland und das Problem Hegemon in Europa hat sich gelöst
jemand sagt: die Schweizer meinen das nicht im rassistischen Sinne, sondern im kritischen Sinne
jemand sagt: ich dachte die Schweiz wär Willensnation, versteh ich alles nicht
jemand sagt: Unus pro omnibus, omnes pro uno, es hat sich ausgekaspert: jetzt alle gegen jeden

wie jetzt? (1.) Alpen. (2.) Schokolade. (3.) Geld = Hört sich cool an. Ich will dahin.

In meinem Kanton haben alle mit ja gewählt. Wir waren uns da einig.
Und alle Auslandsschweizer haben Briefwahl gemacht. Ist klar.
…länderübergreifender Jubel der Rechtspopulisten. Un pour tous, tous pour un. Von wegen.
neuer Wahlspruch wird nicht mi casa es tu casa sondern: da hinten geht’s raus
blöd nur, denn die Umgebung ist nicht so freundlich gesinnt -

In Deutschland zu nah an Bayern: da wird schon gegen syrische Asylheime gewettert -
und Österreich? Haider ist zwar tot, aber die Freiheitliche Partei ja noch nicht -
In Frankreich demonstrieren sie gegen Homosexuelle, aufgeschlossen hört sich das auch nicht an -
Liechtenstein hat nun wirklich keinen Platz -
und in Italien stapeln sich die Leichen derer die rein wollten auf Lampedusa, auch nicht gut –

wohin also? …und wer hat sich das mit der europäischen Grenzöffnung eigentlich überlegt?
War es Europas Königin Merkel oder doch ein Mehrheitsentscheid? Obwohl.
Volk in Deutschland wird ja nur selten befragt.
Wir wählen die. Die treffen die Entscheidungen.
Unabhängig davon, ob diese im Menü standen.
Gewählt hatte ich Lachs über braunen Reis mit
Holundersoße und Vanilleeis. Bekommen habe
ich: Fischstäbchen mit braunen Kartoffelecken
-    der Rest war aus.
 
Gedankenexperiment:
Deutschland stimmt mit knapper Mehrheit gegen Masseneinwanderung.
was passiert? Dritter Weltkrieg vielleicht. Indiskutabel.
Sowas können sich nur die Schweizer erlauben.
Länger als eine Woche wird uns das nicht beschäftigen.
Dann übernimmt wieder die Chrysi Avgi

Manche denken ja, Europa habe aus seiner Vergangenheit gelernt.
Mit Sicherheit sogar.
Die Frage ist nur WAS?